Die Milch macht’s … (1)

Die Überschrift ist jetzt ein wenig weit hergeholt … wenn man im Hinterkopf hat, dass es hier um Modellbahn-Geschichten in Österreich geht. „Die Milch macht’s“ ist ein Slogan des Milchland Niedersachsen, der mir in sehr guter Erinnerung geblieben ist (es gibt ihn aber noch immer … den Slogan): Auf Messen, bei Ausstellungen usw. konnte man sich sicher sein, dass es, wo auch immer „Die Milch macht’s“ zu lesen war, leckere Milchprodukte gab … Milchshakes, Joghurt, … mjammi!

Aber hier soll es um etwas Anderes gehen … (zunächst) mal einen weiteren Wagen für den Milchtransport. Die waren teilweise bis in die Epoche IV bei den ÖBB zu sehen … und vor allem mit vollen Milchbehältern ein nettes Anhängsel an Personenzügen! Klar, die Milch musste schnell von der Kuh zur Molkerei zur Weiterverarbeitung, sonst wäre sie – vor allem in der warmen Jahreszeit – schnell gammelig geworden. Eine feine Sache, um beim FREMO-Betrieb auch die Fahrpläne der „Fensterzüge“ interessanter zu machen!

Gleich noch eine Sache vorweg: Der hier vorgestellte Umbau hat kein wirkliches Vorbild! Es gab einige Wagentypen, die recht gut dokumentiert sind (einen solchen hat etwa Märklin/Trix  mit Behältern verschiedener Molkereien im Programm), aber auch zig Fotos, auf denen andere Wagentypen – meist ältere Wagen, die vermutlich umgebaut wurden, um die Milchtanks aufnehmen zu können – zu sehen sind. Das „Look&Feel“ (um es mal ganz unpassend für die 60er Jahre zu benennen) eines solchen Wagens wollte ich treffen.

Also … frisch an’s Werk!

Ausgangspunkt war der Museumswagen 2006 von Märklin (Art.-Nr. 48006), der günstig im eBay auf mich wartete. Anscheinend auch ein umgebauter älterer Wagen mit Behältern einer Brauerei. Ob es den Wagen wirklich so gab … über so etwas denkt man bei Märklin wohl lieber gar nicht erst  nach.

Schnell stellte sich heraus, dass dieser Wagen komplett andere Aufnahmen für die Behälter hat als der bekannte „Milchwagen“ – hier wollte ich aber konsistent bleiben, um zunächst mal die bestehenden Milchbehälter laden zu können (dazu später mehr).

Daher musste der Wagenboden komplett neu aus einer PS-Platte „geschnitzt“ werden. Mit passenden Löchern konnte man wenigstens die Griffe für die Verschieber am Nicht-Bremsbühnenende weiter verwenden … praktisch.

Die Aufnahmen für die Behälter wurden anschließend analog zu denen des Märklin-Wagens in 3D konstruiert und ausgedruckt. Allerdings habe ich die Aufnahme/Befestigungen für die Behälter wesentlich feiner konstruiert … bei Märklin ist das einfach nur ein „Klotz“.

Bild 1: Die neuen, 3D-gedruckten Aufnahmen … rechts mit einem Milchtank von Märklin zur Probe

In Bild 1 erkennt man im Hintergrund einen Märklin-Wagen mit schon modifizierten Aufnahmen für die Behälter. Die U-förmigen Schienen zwischen den Befestigungs-„Klötzen“ sind hier schon aus dünnem PS entstanden. Genau genommen sind wohl bei diesem (eher modernen) Wagentyp diese Schienen in den Wagenboden eingelassen und nicht auf ihm montiert … aber dazu hätte ich den Märklin-Wagen komplett umkonstruieren müssen – und damals noch ohne 3D-Druck-Teile. Bei den Befestigungen, an denen kein Milchtank steht, sind weiterhin die inneren, zweiten „Klötze“ aus kleinen PS-Stücken nachgebildet. Beim originalen Wagen von Märklin gab es sie gar nicht.

Ergebnis nach der Stellprobe aus Bild 1: Kann man so machen … passt! 

Bild 2: Wagenboden im Rohbau mit Halterungen für vier Milchtanks

Also wurden die gedruckten Befestigungen im passenden Abstand (hierzu habe ich Schablonen mit dem 3D-Drucker erzeugt, um die genauen Abstände leichter zu treffen) auf den Boden geklebt. Erneuter Test mit Tanks: Passt!

Im Vergleich zwischen Bild 1 und Bild 2 sieht man auch einen reizvollen Unterschied, den ich nachbilden wollte: Der hier in Bau befindliche Wagen kann vier Milchtanks tragen, der Märklin-Wagen hingegen fünf.

Leider habe ich bisher aber auch nur fünf Tanks – eben die, die beim Märklin-Wagen dabei waren. Hier ist der Plan, weitere Tanks auch zu konstruieren und mit dem 3D-Drucker zu erstellen. Alte Fotos zeigen auch hierzu: Es gab Tanks mit verschiedenen Geometrien. Auch das könnte noch reizvoll werden …

Aber natürlich kann ich auch weitere Tanks von Märklin verwenden. Der hier gebaute Wagen soll jedenfalls mit vier Tanks laufen … der umgebaute Märklin-Wagen soll zumindest noch einen Tank dazu bekommen, damit die Achsen gleichmäßig belastet sind.

Bild 3: passend eingefärbt (aber noch nicht gealtert) und mit Beschriftung versehen

Nun wurde der Wagen in den Grundfarben „angepinselt“ – die Beschriftungen kam vom Fedes, bei den spezifischen Beschriftungen des Einstellers (Wiener Molkerei usw.) und Ladungshinweisen nach meinen Vorgaben. Passende Schriften analog zum Wagen von Märklin liefern heutzutage online-Tools … feine Sache!

Gerade rechtzeitig fiel mir die für einen Behälterwagen für Milch, der in Personenzügen mitlaufen soll, unpassende Bremse auf … oder eher die unpassenden Bremsecken. Das Vorbild (?) des Wagens von Märklin besitzt eine Bremse ohne G-P-Wechsel, ist daher also nicht für die Mitfahrt im Personenzug geeignet. Ich gestehe: Die Bremse habe ich nicht komplett umgebaut, aber einen eben solchen Wechsel bzw. den dafür auch von außen erkennbaren Hebel (von Weinert) habe ich noch nachgerüstet – und die Bremsecken entsprechend lackiert. 

Bild 4: Der fertige Wagen im Vergleich zum Wagen von Märklin (links)

Nach einer Alterung mit diversen Washes, PanPastels und Pigmenten ist der Wagen einsatzbereit für’s kommende FREMO-Treffen. Die beiden Tanks haben noch ein wenig „Blei getankt“, damit der Wagen nicht zu leicht ist. Und sie sind derzeit mit UHU patafix am Wagen befestigt, um ggf. später bei der Konstruktion eigener Tanks noch vermessen werden zu können.

Und so kann man sich dann auch vorstellen, warum in der Überschrift ein „(1)“ steht, und hoffen, dass es auch noch einen Teil 2 geben wird … Ich trink‘ jetzt erstmal eine kalte Milch! Prost!